Ein russischer Angriffskrieg in der Ukraine – seit Ende Februar. Der anfängliche Schock saß tief. Solidarität, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft waren riesig. Geflüchtete Menschen aus der Ukraine wurden herzlich empfangen. Überall leuchteten die Farben blau und gelb auf und zeigten den Weg für ankommende Ukrainer*innen. Auch am Bahnhof und bei uns in der Bahnhofsmission wurde alles vorbereitet.

Doch mit der Zeit veränderte sich die Stimmung. Weniger Menschen nehmen an Friedensgebeten und Mahnwachen teil. Solidaritätsbekundungen werden leiser. Hilfsbereitschaft schwindet. Viele Menschen kehren zurück in ihren Alltag.

Alltag – ein routinierter Rhythmus, der Sicherheit, Halt und Leichtigkeit bringt. Uns in der Bahnhofsmission wird schnell klar: Alltag ist genau das, was den Menschen fehlt, die aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sind. So auch bei Familie M.

Als der Krieg ausbrach, flüchtete Familie M. Anfang März aus der Ukraine. Gemeinsam mit den beiden Kindern Anastasia, 5 Jahre und Danylo 10 Jahre alt, kamen die Eltern hier nach Freiburg. Dank der großen Hilfsbereitschaft, fanden sie eine Privatunterkunft bei einem älteren Ehepaar. Sie sind offiziell angemeldet und haben alle nötigen Papiere. Eigentlich alles wunderbar. Und trotzdem fehlt Familie M. der Alltag. Arbeiten gehen, sich mit Freunden treffen, die typischen täglichen Erledigungen. Alles ist plötzlich fremd.

„Wo finden wir Menschen, die unsere Sprache sprechen, die das gleiche erlebt haben? Wer kann uns erklären, wo wir Kleidung für unsere zwei Kinder kaufen können? Wie finden wir Arbeit und ein neues Zuhause?“ Alles Fragen, die Familie M. im Gepäck hat, als sie bei uns in der Bahnhofsmission ankommen. „Wir haben gehört, sie können uns helfen“, sagt Frau M. zu unserer Mitarbeiterin.

Ja, wir können helfen. Wir haben Dolmetscher*innen und kennen uns aus in Freiburg. Wir sind vernetzt und können weitervermitteln. Während die Familie bei uns ist, genießen die Kinder leckeren Kakao und freuen sich über unsere Spielsachen. Den Eltern stehen wir gerne Rede und Antwort. Außerdem können sie eine Reihe von wichtigen Telefonaten mit unserer Unterstützung erledigen.

Als Bahnhofsmission kümmern wir uns gerne. Um das Ankommen, um das Bleiben, um den Alltag. Das fordert uns täglich heraus. Wir sind dankbar für Menschen, die unseren Einsatz engagiert begleiten und unterstützen. Menschen brauchen unsere Hilfe. Heute und morgen. Im Alltag.