Not hat viele Gesichter. Als Bahnhofsmission lernen wir diese Gesichter täglich kennen. Wir möchten gerne zeigen, was das in unserem Alltag am Bahnhof bedeutet.

Es ist auch ein Plädoyer:  Hinschauen. Herz zeigen. Helfen.

Jeder vor seiner eigenen Haustüre. Jede mit ihren eigenen Möglichkeiten.

Für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe.

  • „Ich muss nach Amerika. Können Sie mir helfen?“ Erstaunt schaut unsere Mitarbeiterin vom PC auf und schlägt vor: „Möchten Sie einen Tee? Dann schauen wir in Ruhe, was ich für Sie tun kann.“ Erika*, so zeigt sich, ist seit ihrer Kindheit psychisch krank. Sie leidet massiv unter Verfolgungsangst. Wenn sie singt, hat sie oft transzendente Begegnungen. In Amerika hofft sie, einen sicheren Ort zu finden. Wir überlegen gemeinsam: Wo kann noch ein sicherer Ort sein? Die Psychiatrie ist dabei zuerst ein absolut rotes Tuch. Schließlich kann Erika der Idee doch etwas abgewinnen. Wir begleiten sie. Das macht den Weg so viel einfacher. Beim Abschied sagt Erika: „Sie sind ein Engel. Sie haben mich beschützt.”

 

  • Ein junges Paar aus Osteuropa, Ola und Marek*, kommt zur Saisonarbeit in den Schwarzwald. Doch sie geraten in Konflikt mit ihrem Arbeitgeber und ihr Lohn wird nicht ausbezahlt. Wie sollen sie jetzt die Heimreise finanzieren? Die Polizei nimmt ihre Anzeige auf, aber es ist klar: Das Verfahren wird sich hinziehen. Als sie zur Bahnhofsmission kommen, haben sie bereits eine Nacht im Freien verbracht, sind völlig übermüdet und nervlich am Ende. Im Gespräch mit einem unserer Mitarbeiter entscheiden sie: „Wir schildern Freunden in der Heimat unsere Notlage.“ Es folgen Telefonate und ein paar Stunden Wartezeit. Dann haben Freunde und Familie genug Geld zusammengelegt, um eine Fahrkarte für sie zu kaufen. Wir drucken das Ticket aus und schmieren Vesperbrote für die Fahrt. Immer noch erschöpft, aber dankbar und erleichtert treten Ola und Marek die Heimreise an.

 

  • Schon seit Jahren sind Jenny und Rudi* fast täglich bei uns. Beide sind drogensüchtig und bekommen ärztlich verschriebenes Methadon. Im Lauf der Zeit haben sie ihr Leben stabilisiert. Sie bemühen sich, drogenfrei zu leben. Das Mittagsgebet in der Bahnhofsmission ist für sie ein wichtiger Anker im Alltag. Doch Jenny ist durch den Drogenkonsum körperlich ruiniert. Es kommt der traurige Tag: Sie muss notfallmäßig ins Krankenhaus und kommt nicht mehr auf die Beine. In den Wochen bis zu ihrem Tod besucht Rudi die Bahnhofsmission weiter täglich. Wir sind für ihn da – hören zu, helfen bei Behördengängen und dabei, den Abschied von Jenny liebevoll zu gestalten. Auch danach lassen wir ihn in seiner Trauer nicht alleine.

 

Die Bahnhofsmission lebt zum größten Teil von Spenden. Wir laden Sie ein: Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende zu Weihnachten. Wenn Sie möchten, ganz einfach und direkt HIER. Wir sagen schon jetzt: Ganz herzlichen DANK!

*Namen geändert